...ums Ganze Kongress 2013: Politik in der Krise "Denn sie wissen nicht: Was tun?"
Audio With External Links Item Preview
Share or Embed This Item
audio
...ums Ganze Kongress 2013: Politik in der Krise "Denn sie wissen nicht: Was tun?"
- by
- ...umsGanze!
- Publication date
- 2013-07
- Usage
- Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 3.0




- Topics
- Podiumsdiskussion, umsGanze, Berlin, Diskussion, Radikale Linke, Kongress2013
- Language
- German
- Item Size
- 1.8G
Der dritte …umsGanze!-Kongress
5.-7. Juli 2013 Technische Universität Berlin
kongress.umsganze.org
Überall in Europa kämpfen Lohnabhängige, Arbeitslose und Menschen in Ausbildung gegen die Austeritätspolitik der EU. Auf Straßen und Plätzen experimentieren sie mit direkter Demokratie und streiten über neue Modelle solidarischer Ökonomie. Selbst in Deutschland werden Risse im System sichtbar – durch stadtpolitische Kämpfe, durch den Widerstand von Geflüchteten, durch Krisenproteste und Versuche, sie zu kriminalisieren. Doch auch linke Politik und antikapitalistische Kritik stecken in der Krise. Zwar haben sich die Zukunftsversprechen des Neoliberalismus und des Nationalstaats erledigt. Aber echte Alternativen scheinen noch viel utopischer. Die EU wankt, und kann doch problemlos ihre marktradikale Regierungslogik durchsetzen. Rassismus und Sozialchauvinismus stehen in voller Blüte, reaktionäre Krisendeutungen sind weit verbreitet, traditionelle Geschlechterrollen erleben eine Renaissance.
Auf dem dritten Kongress des …ums Ganze!-Bündnisses wollen wir mit Dir und Genoss_innen aus anderen Ländern über die aktuelle Transformation von Kapitalismus, Staatlichkeit und Politik in der Krise diskutieren. Wie können wir diese Ordnung kippen? Und warum macht sie es uns so schwer? Wie muss eine radikale Kritik formuliert und praktisch organisiert werden, die Kapitalismus und Staat ernsthaft überwinden will? Zu diesen Fragen haben wir vier Podien organisiert. Dazwischen gibt es viele Workshops, in denen wir einzelne Themen und Probleme ausführlicher besprechen können. Diese Workshops bilden den eigentlichen Schwerpunkt des Kongresses. Parallel zu den Workshops laufen am Samstag Kunstgespräche, und übers gesamte Wochenende ein Krisenkino.
Die hard – Die autoritäre Wende des Neoliberalismus!? (Podium)
Freitag 20 Uhr
Mit Michael Heinrich, TOP B3rlin und …umsGanze!
MP3 [91.8 MB] | OGG [64.1 MB]
Massive Strukturanpassungsmaßnahmen, Polizeigewalt gegen soziale Bewegungen, Einschränkung von Grundrechten und Überwachungsskandale – es scheint, als hätte der Neoliberalismus in Europa endgültig sein Glücksversprechen verloren, und als würde nun eine autoritäre Seite sichtbar werden, die ihm schon immer innewohnte. Vor einigen Jahren setzten die Vertreter_innen des Neoliberalismus noch auf die Selbstheilungskräfte der Märkte, auf zunehmende Deregulierung und selbstverantwortliche Subjekte. In der aktuellen Krise des Kapitalismus wird deutlich, dass diese Formen kapitalistischer Herrschaft nicht mehr ausreichen. Die aktuelle Austeritätspolitik innerhalb der EU, maßgeblich vorangetrieben von Deutschland und der sog. Troika, setzt Strukturanpassungsmaßnahmen in einer Härte und Massivität durch, die noch vor wenigen Jahren für Europa undenkbar schien. Die Sparmaßnahmen, die zurzeit in Südeuropa durchgedrückt werden, betreffen einen Großteil der Bevölkerung, und sorgen neben emanzipatorischem Protest auch für das Erstarken reaktionärer und populistischer Krisenlösungsmodelle. Die Krise erzeugt somit auch Veränderungen innerhalb der politischen Kultur der Eurozone. Doch reicht dies, um von einer „autoritären Wende“ zu sprechen, und erleben wir tatsächlich neue Formen von Staatlichkeit und ein neuartiges Zusammenspiel zwischen Ökonomie und Politik? Gemeinsam mit den Referenten wollen wir über kapitalistische Transformation, „autoritären Etatismus“ und die Durchsetzung der Austeritätspolitik diskutieren.
The Twilight Zone? Transformationsprozesse und die Achsen der Ungleichheit: Migration, Geschlecht und Reproduktion in der Krise (Podium)
Samstag 11 Uhr
Mit Juliane Karakayali und Katharina Pühl
MP3 [90.9 MB] | OGG [61.3 MB]
Seit Beginn der Finanz- und Schuldenkrise 2007 ist auch medial reflektiert worden, dass die Krise, wie auch der Kapitalismus selbst, nicht geschlechtsneutral ist. So arbeiten Frauen meist unter prekären Bedingungen zu weniger Lohn und erledigen zudem einen Großteil der Reproduktionsarbeit, unbezahlt als auch bezahlt im so genannten Care-Sektor. Während im Fordismus das Ideal der bürgerlichen Hausfrau hochgehalten wurde und so Reproduktionsarbeit für die Kapitalakkumulation weitestgehend umsonst erledigt wurde, werden im Postfordismus durch großflächige Sozialkürzungen und den Abbau von vormals wohlfahrtsstaatlichen Leistungen, haushaltsnahe Dienstleistungen selbst weitreichenden Kommodifizierungsprozessen unterworfen. Dabei gerät die soziale Reproduktion zunehmend in eine Krise, für deren Lösung oftmals illegalisierte und marginalisierte Migrantinnen heran gezogen werden. Der sozialen Ungleichheit und Ausbeutung im Care-Sektor steht ein hoch gerüstetes, rassistisches und nach Verwertungslogik selektierendes Grenz- und Abschieberegime in den kapitalistischen Zentren gegenüber. Die Feminisierung von Migration und die Ethnisierung der Reproduktion sind dabei nur einige Beispiele für die Überschneidungen der „Achsen“ gesellschaftlicher Ungleichheit. Aber wie hat sich soziale Ungleichheit durch die Krise verändert und worin unterscheiden oder überschneiden sich Analysen zu Migration, Geschlecht und veränderten Reproduktionsbedingungen?
Rekonstruktionen in der Architektur als Ausdruck der Krisenhaftigkeit des Kapitals (Kunst-Lecture)
Samstag 14 Uhr
Mit Niloufar Tajeri und Robert Burghardt
MP3 [42.2 MB] | OGG [30.6 MB]
Mit Hilfe von David Harveys Krisentheorie wollen wir die Geschichte der Krise und Ihre Auswirkungen auf die Raumproduktion nachzeichnen. Die Rekonstruktion längst vergangener Mythen durch den Wiederaufbau historischer Gebäude ist nicht nur ein Zeichen für die Krise der Architektur, sondern Ausdruck einer Krise der gesellschaftlichen Verhältnisse in der sie eingebettet ist. Wir verstehen Rekonstruktionen wie z.b. des Berliner Stadtschlosses oder einer osmanischen Kaserne am Istanbuler Taksim als regressives Gegenstück zur generischen und globalisierten Architekturproduktion und als Negierung der Vielfältigkeit tatsächlicher städtischer Bewegungen.
Krisenverstärker – Kunst als Problem und Lösung
Samstag 17 Uhr
Mit Alice Creischer, Andreas Siekmann, Kerstin Stakemeier und Sophie Goltz
MP3 [106.7 MB] | OGG [66.9 MB]
In der ersten Hälfte des Workshops wollen wir gemeinsam mit Alice Creischer und Andreas Siekmann den Film “Krumme Panke” (30 Minuten; Alice Creischer, Andreas Siekmann, Josef Strau, Amelie Wulffen; Berlin 1997) sehen, und anschliessend mit ihnen über dessen damaligen Einsatz und die Veränderungen der Lage im Gegenwartskunstfeld seither sprechen. Was ist der Status der Kunst im Nordwesten inmitten der andauernden Krise des Kapitals?
In der zweiten Hälfte des Workshops werden Sophie Goltz und Kerstin Stakemeier diese Fragen anhand eines derzeit vieldiskutierten Fallbeispiels vertiefen, der Diskussion um die Rolle der Digitalität in der Gegenwartskunst. Anhand ihrer euphorischen Annahme oder Ablehnung lassen sich die Trennlinien zwischen nostalgischen Projektionen auf die Wiederkehr einer verlorenen modernistischen Avantgarde und der Überaffirmation einer flexibilisierten Verkaufsoberfläche scharf nachzeichnen.
Chinas Streiks und das Ende des Billiglohnmodells (Workshop)
Samstag 14 Uhr
Mit Gongchao
MP3 [59.3 MB] | OGG [38.2 MB]
Mitte 2010 kam es in Chinas Weltmarktfabriken zu der bis dahin größten Streikwelle von Arbeitsmigrant_innen. Der Kampf führte zu Lohnsteigerungen und zu einer weltweiten Debatte über das Ende des Billiglohnmodells, das hinter Chinas Entwicklung zur “Fabrik der Welt”
steht. Seitdem sind die wilden Streiks weitergegangen. Zusammen mit städtischen Riots
und Kämpfen auf dem Land setzen sie das chinesische Regime unter Druck. Was können wir von diesen Kämpfen lernen?
Diagnose Kapitalismus – Die Verhältnisse überleben! (Workshop)
Samstag 14 Uhr
Mit redical [M] (Göttingen)
MP3 [50.8 MB] | OGG [33.7 MB]
Eine kritische Analyse eines vernachlässigten Themas. Das Gesundheitssystem hat wieder einmal Schlagzeilen gemacht – zuerst der Organspendeskandal, nun die an einem Keim erkrankten Säuglinge in der Charité und vor ein paar Jahren (und immer mal wieder) die Zustände in den Pflegeeinrichtungen. Schlechte Arbeitsbedingungen, in denen die eine Hand nicht wisse was die andere tue, werden immer wieder dafür verantwortlich gemacht. Aber wie konnte es in einem der angeblich „besten Gesundheitssysteme der Welt“ dazu kommen? Welche Veränderungen hat das Gesundheitssystem durchgemacht, und was bedeutet das für die PatientInnen und GesundheitsarbeiterInnen? Und wie umgehen mit dem Schlamassel?
Flüchtlingsproteste in der Krise? (Workshop)
Samstag 14 Uhr
Mit Turgay Ulu (Refugee Protest Camp Berlin) und TOP B3rlin
MP3 [124.9 MB] | OGG [82.8 MB]
Seit vielen Jahren kämpfen selbstorganisierte Flüchtlingsinitiativen gegen das rassistische Lager- und Abschieberegime Deutschlands und der EU. Dabei kritisieren sie immer auch globale Hierarchien und Ausbeutungsverhältnisse. In immer mehr Lagern organisieren sich Geflüchtete gegen erniedrigende Lebensbedingungen und den Rassismus der Behörden. Durch den Protestmarsch der Geflüchteten von Würzburg nach Berlin im Spätsommer 2012 und das Protestcamp auf dem Kreuzberger Oranienplatz ist dieser Widerstand bundesweit wahrnehmbar geworden. Er hat ein großes Medienecho erzeugt und viele Sympathien gewonnen. Auch die Zusammenarbeit von Flüchtlingsinitiativen mit antifaschistischen bzw. antikapitalistischen Gruppen ist heute enger als noch vor einem Jahr. Und doch scheinen auch die aktuellen Proteste der Geflüchteten in der Krise zu stecken. Die Dynamik des Aufbruchs scheint verflogen. Das Berliner Protest-Camp wird zwar weiter toleriert, aber politische Impulse kann es kaum noch setzen. Die Schikanen von Ausländerbehörden und Polizei gehen unvermindert weiter. Geflüchtete werden weiter systematisch diskriminiert und abgeschoben. Der trockene Hungerstreik von Geflüchteten in München ist Ausdruck dieser politischen Ohnmacht und Marginalisierung. Und der “war against refugees“ an den Außengrenzen der EU fordert immer neue Opfer.
Zeit für eine kritische Zwischenbilanz: Welche Erfahrungen und welche Fehler wurden gemacht? Welche Strategien haben sich bewährt, welche haben sich abgenutzt? Welche neuen Wege und Allianzen sollten erprobt werden? Welche Unterstützung durch linke Gruppen wäre nötig und willkommen? Gibt es eine transnationale und systemkritische Perspektive des Widerstands?
Rechtspopulismus, Rechtsextremismus & Krise (Workshop)
Samstag 14 Uhr
Mit der Autonomen Antifa Wien
MP3 [78.3 MB] | OGG [57.0 MB]
Eine rechtsextreme FPÖ, rechtspopulistische Bürgerinitiativen, offener Neonazismus, modernisierter Standortnationalismus und deutschnationale Burschenschaften – das ist Österreich im 21. Jahrhundert. Während die einen auf Kultur und Standort setzen bleiben die anderen dem Deutschnationalismus treu. Gemeinsame Feindbilder und ein sich stark ähnelndes, sozialchauvinistisches Vokabular sind aber ein immer wiederkehrendes Muster verschiedenster solcher Strömungen. Doch wo genau liegen deren ideologische Schnittmengen, und wie reagieren sie auf die aktuelle Krise?”
Das Geschlecht der Krise (Workshop)
Samstag 14 Uhr
Mit der Basisgruppe Antifaschismus Bremen
MP3 [33.7 MB] | OGG [22.6 MB]
Seitdem sich die kapitalistische Produktionsweise mal wieder in einer ihrer periodischen Krisen befindet, ist wieder mehr von Kapitalismus, Kapitalismuskritik und teilweise auch Klassenkampf die Rede. In diesem Zusammenhang wird jedoch wenig über die Auswirkungen auf kollektive Betroffenheitslagen von Frauen und Männern gesprochen. Denn gerade der Umbau des Sozialstaates hat unterschiedliche Auswirkungen und arrangiert die historisch durchgesetzte Doppelbelastung von Frauen durch eine neuen Form der Intensität. Gerade die Veränderung des Familienernährermodells mit einem Mann als „Familienoberhaupt“ gehört in den kapitalistischen Zentren weitgehend der Vergangenheit an. Die Krise kann aber auch nur dann in seinen Folgen verstanden werden, wenn über die Konfiguration des Geschlechterverhältnisses und der Organisation der gesellschaftlichen Reproduktion gesprochen wird. In der Veranstaltung wird es um diese beiden Schwerpunkte gehen. Wir wollen diskutieren, ob linke politische Strategien nicht neu fokussiert werden müssten.
Occupy Gezi: Aufbruch in einen neuen Kampfzyklus in der Türkei?
Samstag 17 Uhr
Mit Errol Babacan
MP3 [47.4 MB] | OGG [31.2 MB]
Der Protest auf dem Taksim-Platz in Istanbul begann mit der Besetzung des Gezi-Parks gegen ein urbanes Transformationsprojekt der türkischen Regierung. Angefacht durch einen brutalen Polizeieinsatz griff der Protest in kurzer Zeit auf das ganze Land über und richtete sich zunehmend gegen die polizeistaatlichen Maßnahmen der islamisch-konservativen Regierung. Diese erklärte die Protestierenden kurzerhand zu Banditen und Terroristen, spielte die religiöse Karte gegen sie aus und ließ den Park schließlich mit äußerster Gewalt räumen. In dem Workshop soll zunächst eine Einbettung des Protests (und seiner gewaltsamen Niederschlagung) in politische und ökonomische Entwicklungen der letzten Jahre erfolgen, um im Anschluss Einschätzungen zur gegenwärtigen Lage und politische Perspektiven zu diskutieren.
Spektakel und Handgemenge – …umsGanze! diskutiert mit …umsGanze!
Samstag 17 Uhr
Mit der Autonomen Antifa [f] (Frankfurt) und The Future Is Unwritten (Leipzig), moderiert von TOP B3rlin
MP3 [90.7 MB] | OGG [63.5 MB]
„Unsere umfassende Kritik an den Verhältnissen wird sich zudem in Zukunft stärker im Handgemenge beweisen müssen. Schon klar, dass es bislang an greifbaren Alternativen zum Kapitalismus mangelt. Aber die fallen nicht vom Himmel, sie entstehen im politischen Prozess.“ – Das war das Fazit des …ums Ganze!-Auswertungspapiers zu M31 und Blockupy 2012. Nun ist es ein Jahr später, Blockupy Volume II hat stattgefunden, die Krise und auch die Krisenproteste dauern an.
Wir wollen im Workshop unsere Teilnahme an den Krisenprotesten der letzten beiden Jahre reflektieren und politisch einordnen. Wie kann Kapitalismuskritik praktisch werden? Schließen sich Bündnisfähigkeit und radikale Kapitalismuskritik aus? Stehen Spektakel und Alltagspolitik, Symbolpolitik und Organisierungsprozesse im Widerspruch zueinander? Und wie begreifen wir das Verhältnis zwischen den Krisenprotesten hierzulande und in anderen (europäischen) Ländern?
“Kommunismus. Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird” (Lesung)
Samstag 19 Uhr
Mit Bini Adamczak, musikalisch begleitet von Tanja Kämer
MP3 [49.4 MB] | OGG [33.6 MB]
„Kommunismus. Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird“: “Na, das war ja nichts”, denken sich die Menschen. Erst hat uns der Kapitalismus ganz unglücklich gemacht und dann ist er auch noch ständig schief gegangen.” “Außerdem,” sagt ein Mensch laut, “haben wir den Kapitalismus jetzt wahrlich lange genug gehabt (200-500 Jahre lang nämlich) und das reicht ja nun wirklich. Es wird Zeit für was neues. Denn Abwechslung muss sein.”
„… eine theoretisch angeleitete Erzählung, die sich der Sprache eines Kinderbuchs bedient. Sie fällt damit durch jedes Raster: weder tatsächlich ein Kinderbuch, noch theoretisches Essay, weder literarische Erzählung noch historischer Abriss. In Missachtung der gängigen Genres ist Adamczak eine differenzierte Vergegenwärtigung der Fallstricke kommunistischer Gesellschaftskritik gelungen – mit Unterhaltungswert.” (Gottfried Oy, Frankfurter Rundschau)
Radikale Philosophie in den Krisen: Aufgaben und Möglichkeiten
Sonntag 11 Uhr
Mit Frieder Otto Wolf
MP3 [40.9 MB] | OGG [25.6 MB]
Die gegenwärtig sich überlagernden, perspektivisch sogar verschärfenden Krisen sind eine Herausforderung an die gesamte Menschheit – dazu, endlich die Herrschaftsstrukturen zu überwinden, die zu diesen Krisen geführt haben! Radikale Philosophie kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten – indem sie nämlich der Versuchung entgegenwirkt, der auch ehrlich empörte Menschen unterliegen. Sich nämlich den wirklichen Problemen dadurch zu entziehen, dass mensch sich mit einem ideologischen Zirkel begnügt, anstatt sich für wirkliche Untersuchungen der Herrschaftsstrukturen, sowie für wirkliche politische Erfahrungen zu öffnen, und dadurch erst gemeinsam handlungsfähig zu werden.
Excuse me, how would you like to organise? Von linksradikalen Organisierungsansätzen in England
Sonntag 11 Uhr
Mit Plan C and Antifacist Network (London)
MP3 [32.2 MB] | OGG [22.4 MB]
This Workshop will be in English.
„Anarchy in the UK“ (Sex Pistols) haben wir zwar noch nicht, aber eine Menge regt sich im Mutterland des modernen Kapitalismus. Selbst wenn weniger spektakulär als in Griechenland oder Spanien, akku-mulieren sich auch dort rote Zahlen, ökonomischer Einbruch, Sozialkürzungen, Arbeitslosigkeit, Leer-stand und Verelendung. Nach den spektakulären Studi-Demos (der Kampf ging leider verloren) und den legendären London-Riots 2011 (ein schweres und unzugängliches Feld für Linke) mobilisierten jüngst die „Anti-cuts-protests“ im klassischen Stil der Krisendemos schon einige Hunderttausend Men-schen auf die Straße.
2013 erreicht die soziale Zertrümmerung in Form von Zurichtung der Prekarisierten eine neue Stufe: die sogenannte „Bedroom Tax“ drückt allen Sozialhilfeempfänger_innen zusätzliche Kosten aus eigener Tasche für jedes frei stehende Schlafzimmer auf. Logischerweise sind die meisten zahlungsunfähig, es drohen Zwangsräumungen, die ersten Menschen haben sich aus Verzweiflung schon das Leben ge-nommen. Kommunale und regionale Widerstandsgruppen sprießen nur so aus dem Boden und koordi-nieren sich derzeit für eine kontinuierliche Arbeit.
Gleichzeitig rotten sich leider auch in England die reaktionären Krisenlösungsidiot_innen zusammen. Die English Defence League (EDL) und die British National Party (BNP) hören einfach nicht auf, ihre rassistische, rechtspopulistische bis völkische Hetze vor allem gegen Migrant_innen zu verbreiten. Glücklicherweise bleibt dieser Mist von Antifaschist_innen nicht unbeantwortet. Das Spannugnsverhältnis von bürgerlichem „Multikulti statt Braun“ und „Antifa ist der Kampf ums Ganze“, das hierzulande bekannt sein dürfte, verlangt auch in England gewisse Strategien in Sachen Orga-nisierung.
Wo es Protest gibt, dürfen linke Sozialrevolutionäre natürlich nicht fehlen. Wir möchten mit Aktivis-tInnen aus England, die an diesen verschiedenen Organisierungsprozessen beteiligt waren und sind, über Probleme und Erfolgsaussichten für Linksradikale diskutieren. Plan C und das Antifascist Network verstehen sich als Strukturen, die sich bewusst außerhalb der staubigen Tradition der Socialist Workers Party (SWP) stellen und ihre eigenen Vorstellungen darüber haben, wie man sich warum or-ganisiert und was man eigentlich will.
Wir möchten von ihnen wissen: Wann und vor welchem Kontext habt ihr euch gegründet? Wofür steht ihr? Welchen Ausmaß hat die Krise in England? Was sind eure Strategien im Umgang mit sozialen Kämpfen? Welche Perspektiven transnationaler Organisierung seht ihr?
Gesundheit, Familie, Älterwerden – eine queerFeministische (Selbst-)Befragung
Sonntag 11 Uhr
Mit der IL Berlin QueerFeminismus AG
MP3 [29.3 MB] | OGG [20.4 MB]
Die IL Berlin QueerFeminismus AG arbeitet momentan zum Themenkomplex „Absicherung“. Sie wird ihr derzeitiges Projekt vorstellen und möchte sich mit euch darüber austauschen. Derzeit führen wir eine (Selbst-)Befragung durch, anhand derer wir Widersprüche und alltägliche Begrenzungen unserer Handlungsspielräume im Bereich Familie, Gesundheit und Altern aufspüren und sichtbar machen. Doch unsere Befragung dient nicht lediglich einer analytischen Bestandsaufnahme. Vielmehr ist sie ein aktiver Suchprozess nach Anknüpfungspunkten für ein Weiterdenken und Handeln. Diese Anknüpfungspunkte werden dann konkretisiert und durch politische Praxis radikalisiert.
Wir fragen uns zum Beispiel, wie Strategien aussehen können, wenn wir mal nicht in der Lage sind, unsere alltägliche (Repro-)Arbeit zu erledigen; welche Rolle dabei kollektive Formen des Zusammenlebens und die Wahl-/Familie für soziale „Absicherung“ spielen können; welche kollektiven oder individuellen Widerstandsstrategien es gibt, und wo diese an ihre Grenzen stoßen.
In unserem Workshop wollen wir zunächst unsere theoretischen Ausgangspunkte offen legen. Dann wollen wir von unseren bisherigen Diskussionsprozessen, Praxiserfahrungen und Fallstricken berichten. Anschließend wollen wir in Form von Gruppendiskussionen in die (Selbst-)Befragung übergehen.
“No country for old men” – Transnational Organisation of Anticapitalist Resistance! (English)
Sonntag 14 Uhr
With Alpha Kappa and Drasi (both GR), Plan C (GB) and …umsGanze!
MP3 [119.4 MB] | OGG [84.8 MB]
The radical left in Europe has gained experience in crisis protests and in turning against racist and nationalist movements. It’s not only the task for the radical left to fight those reactionary crisis solutions, but also to think of and create own alternatives to capitalist socialization and formulate appropriate positions. The initial conditions for radical left politics may be different in different countries, depending for example on whether the respective nation-state is rather one of the crisis winners or losers. Nevertheless, general principles such as self-organization and an anti-capitalist / anti-national self-understanding many groups seem to have in common. What conclusions can we draw today from five years of crisis protests? How can we organize our criticism and resistance transnationally? How can we further develop experiences of spontaneous self-organization in the crisis? What are ‘cracks‘ in the system of state and capital that we can ‘deepen‘? For which conflicts and dangers do we have to prepare ourselves? We will discuss these and other issues together with comrades from other European countries.
German version:
Die radikale Linke hat europaweit einige Erfahrungen in den Krisenprotesten gesammelt und sich gegen rassistische und nationalistische Bewegungen gestellt. Zu ihren Aufgaben gehört aber nicht nur, solche reaktionären Krisenlösungsansätze zu bekämpfen, sondern auch selbst Alternativen zur kapitalistischen Vergesellschaftung zu entwerfen und entsprechende Positionen zu formulieren. Die Ausgangsbedingungen für linksradikale Politik mögen in den verschiedenen Ländern unterschiedlich sein, abhängig zum Beispiel davon, ob der jeweilige Nationalstaat zu den Krisengewinnern oder Krisenverlierern gehört. Trotzdem scheinen allgemeine Prinzipien wie Selbstorganisierung und ein antikapitalistisches/antinationales Selbstverständnis vielen Gruppen gemeinsam zu sein. Welche Schlüsse ziehen wir heute aus fünf Jahren Krisenprotesten? Wie können wir unsere Kritik und unseren Widerstand transnational organisieren? Wie können wir Erfahrungen spontaner Selbstorganisierung in der Krise weiter entwickeln? Welche Risse im System von Staat und Kapital können wir vertiefen? Auf welche Konflikte und Gefahren müssen wir uns vorbereiten? Diese und weitere Fragen wollen wir gemeinsam mit Genoss_innen aus anderen europäischen Ländern diskutieren.
- Addeddate
- 2013-07-18 22:42:44
- Identifier
- umsGanzeKongress2013
- Scanner
- Internet Archive HTML5 Uploader 1.4
- Year
- 2013
comment
Reviews
1,100 Views
3 Favorites
DOWNLOAD OPTIONS
OGG VORBIS
Uplevel BACK
IN COLLECTIONS
CratediggersUploaded by Unknown on
Open Library